Hakan Sezer stürmt in dieser Szene energisch in den Strafraum, doch im letzten Moment hindern ihn zwei Aachener Kontrahenten am Abschluss.
Hakan Sezer stürmt in dieser Szene energisch in den Strafraum, doch im letzten Moment hindern ihn zwei Aachener Kontrahenten am Abschluss.

SV zahlt beim 1:3 in Aachen Lehrgeld

Hoffentlich haben sich die Fußballer des SV Lippstadt ein paar der berühmten, leckeren Printen gekauft, um wenigstens etwas aus Aachen mitzunehmen. Rein sportlich war für die Schwarz-Roten am Tivoli nichts drin oder wie es Trainer Bechtold formulierte: „Wir haben Lehrgeld gezahlt.“ Mit dem 1:3 waren die Gäste vor 4800 Zuschauern ziemlich gut bedient.

Regionalliga West
Alemannia Aachen - SV Lippstadt 3:1 (2:0)


„Das soll nicht arrogant klingen, aber normalerweise hätten wir 4:1 oder 5:1 gewinnen müssen“, sagte Aachens Coach Fuat Kilic in der Pressekonferenz. Nach den Eindrücken vor allem aus der ersten Halbzeit stapelte er damit noch tief.

Bechtold hatte seine Mannschaft gewarnt, dass der frühere Bundesligist im eigenen Stadion von der ersten Minute an Vollgas geben würde. Genau so kam es dann auch. Die Lippstädter, bei denen der beste Torjäger Yannick Albrecht wohl eine schöpferische Pause erhielt und es der angepriesene Königstransfer Tammo Harder nicht in den 18er-Kader schaffte, wurden gehörig durcheinandergewirbelt.

Die Alemannia stürmte dermaßen vehement, dass die 30 mitgereisten SV-Fans ein Debakel für ihr Team befürchten mussten. Nach drei Minuten traf der beste Mann auf dem Rasen, Batarilo-Cerdic, die Latte. Kurz danach landete die Kugel im Lippstädter Tor. Doch es war Abseits. Angriff auf Angriff rollte auf den SV-Kasten, Christopher Balkenhoff stand unter Dauerbeschuss.

Die überfällige Führung für Aachen dann in der 14. Minute: Batarilo-Cerdic traf aus 22 Metern flach ins Eck. Was zu diesem Zeitpunkt natürlich noch niemand wusste?–?auch das 2:0 und das 3:1 für die Alemannia fielen aus der Distanz.

Derweil setzte sich die wilde Fahrt am Tivoli ungebremst fort: Zweimal Boesen, in der 32. Minute mit einem spektakulären Seitfallzieher, und erneut Batarilo-Cerdic versiebten beste Gelegenheiten. Nach einer halben Stunde hätte es 3:0 oder gar 4:0 für die Gastgeber stehen müssen. Der SV melde sich mit einem Eckball (Verhältnis insgesamt 1:9) in der 32. Minute in diesem Spiel an. Hallo, wir sind auch dabei!

Es folgte das „Tor des Monats“ durch Schmitt zum 2:0 mit einem satten Schuss in den Winkel. Logisch, dass die Stimmung auf den gelb-schwarzen Rängen jetzt überkochte, bei den Lippstädtern war sie hingegen im Keller. Trotzdem produzierte die Bechtold-Elf noch ein sehenswerten Angriff über Gucciardo, Liehr und Hoffmeier (40.). Letzter scheiterte nur knapp am Aachener Schlussmann. Danach hatte der Ex-Bundesligist noch eine Doppelchance durch Boesen und Heinze.

Zur zweiten Halbzeit brachte der SV-Coach Sezer für den diesmal eher blassen Henneke?–?und es wurde besser aus Lippstädter Sicht. Die Gäste agierten mutiger und knieten sich mehr rein. Die Schwarz-Roten versuchten nun ihrerseits, Ball und Gegner laufen zu lassen. Das klappte in Ansätzen ganz gut.

Nachdem Heinz per Kopf (63.) und Boesen nach einer Dribbeleinlage im Strafraum (75.) das mögliche 3:0 liegengelassen hatten, stand es plötzlich 2:1. Die Lippstädter Angriffssituation in der 76. Minute war eigentlich schon geklärt, da sprang der Ball Janik Brosch vor die Füße. Der Kapitän zögerte nicht lange und erzielte mit seinem ersten Saisontor den Anschlusstreffer. Logisch, dass die Schwarz-Roten jetzt sogar auf einen Punktgewinn spekulierten. Tatsächlich orientierten sich vor allem Sezer, Arenz und Maiella nach vorn, aber richtig gefährlich wurde es für die Aachener nicht mehr. Im Gegenteil: Nach einem Zuspiel in den freien Rückraum sorgte Garnier in der 84. Minute mit dritten Distanzschuss für das 3:1 und damit für die Entscheidung. Ein viertes oder fünftes Tor der Alemannia lag noch locker in der Luft, doch unter anderem schob Batarilo-Cerdic die Kugel völlig freistehend am Tor vorbei (89.).

„Das waren drei Standardgegentore. Genau das hatte der Trainer im Vorfeld angesprochen. Es darf so einfach nicht passieren“, ärgerte sich Yasin Altun nach seinem Startelf-Einsatz und fügte hinzu, „nach dem 2:1 waren wir eigentlich ganz gut drin.“

Doch acht Minuten Hoffnung reichen nun mal nicht. Insgesamt ging am Samstag für den SV Lippstadt der Schuss im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los.

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