Kampf um den Ball: Aus Lippstädter Sicht ein Bild mit Seltenheitswert, denn Gerrit Kaiser (l.) und Co. schoben bei der 0:5-Pleite in Wiedenbrück eher eine ruhige Kugel. Das Ergebnis schien einigen Kickern im letzten Saisonspiel egal zu sein. Fotos: Lütkehaus
Kampf um den Ball: Aus Lippstädter Sicht ein Bild mit Seltenheitswert, denn Gerrit Kaiser (l.) und Co. schoben bei der 0:5-Pleite in Wiedenbrück eher eine ruhige Kugel. Das Ergebnis schien einigen Kickern im letzten Saisonspiel egal zu sein. Fotos: Lütkehaus

Der SV Lippstadt bekam beim Absteiger Wiedenbrück eine 0:5-Niederlage verpasst

Das Schlechteste zum Schluss: Der SV Lippstadt bekam beim Absteiger Wiedenbrück eine 0:5-Klatsche verpasst und kassierte im letzten Meisterschafts-Match die höchste Saisonniederlage. „Beschämend“ fand Sportdirektor Dirk Brökelmann den Kehraus-Kick der Schwarz Roten.

Regionalliga West
SC Wiedenbrück - SV Lippstadt 5:0 (2:0)

Lippstadt?– ?Mit 41 Zählern beendete der Aufsteiger die Serie in der Regionalliga West auf Rang 13. Ein historischer Erfolg für die Mannschaft von Trainer Daniel Berlinski. Ist die Pleite beim Absteiger also nur ein Schönheitsfehler? Einfach einen Haken druntermachen wollte der Coach nicht: Nach dem Abpfiff im Jahnstadion sagte der 33-Jährige seinen Schützlingen im obligatorischen Kreis deutlich die Meinung und sprach hinterher in der Pressekonferenz von einem respektlosen Auftritt.

Krasser formulierte es Sportdirektor Dirk Brökelmann: „Das war beschämend! Es tut mir leid für die Leute, die sich das anschauen mussten anstatt bei diesem herrlichen Wetter mit ihrem Freund oder Freundin im Garten zu liegen.“

Zack, das saß. In der Tat erweckten die Gäste den Eindruck, als wären sie gedanklich schon im Urlaub. Gestern flogen die SVer nach Mallorca. Einige Spieler bleiben bis Dienstag, der Rest bis Donnerstag. Bölkstoff am Ballermann mag da schon mal wichtiger sein als ein letztes Meisterschaftsspiel bei einem bereits feststehenden Absteiger.

Schade für den scheidenden Trainer Daniel Berlinski und schade auch für Jannik Erlmann: Der etatmäßige Ersatztorhüter stand für Christopher Balkenhoff zwischen den Pfosten. Als Belohnung für hervorragende Trainingsarbeit, so der SV-Coach im Vorfeld der finalen Partie. Freude darüber kam beim 26-Jährigen nur bedingt auf, denn seine Mannschaftskollegen ließen ihn über die 90 Minuten schmählich im Stich. Dabei zeigte der Ex-Neheimer eine starke Leistung. Er verhinderte mit einigen guten Leistungen eine mögliche höhere Niederlage.

„Ich bin froh, dass ich nach langer Verletzung überhaupt mal wieder gespielt habe“, fasste Erlmann zusammen, „wir wollten in der zweiten Halbzeit noch mal alles raushauen. Dass es dann so läuft, ist natürlich bitter.“ Der arme Kerl in Gelb konnte einem schon ein bisschen leid tun.

Die Gäste aus Lippstadt mussten am Samstag kurzfristig auf Nils Köhler verzichten, der wegen eines Trainingsunfalls nicht mitwirken konnte. Für ihn sprang Stefan Kaldewey ein. Später erhielt auch Marvin Joswig, der dienstälteste SVer, noch ein paar Einsatzminuten.

Doch da war schon nichts mehr zu retten. Während die Schwarz-Roten im ersten Durchgang noch einigermaßen dagegenhielten, ergaben sie sich nach dem Wechsel wehrlos. Sie luden Wiedenbrück nicht nur zum Toreschießen ein, sondern schauten dabei auch noch zu.

Mike Andreas brachte die Gastgeber mit 1:0 (19.) verdient in Führung, unmittelbar vor der Pause erhöhte Schaal nach einem blitzsauberen Konter auf 2:0 (45.). Das war gerade noch zu akzeptieren, wenn auch Co-Trainer Felix Bechtold eine andere Meinung vertrat. „Auch im letzten Spiel, in dem es vermeintlich um nichts mehr geht, darf man sich nicht so lasch präsentieren.“

Wie der künftige Chef wohl die ersten Minuten in der zweiten Halbzeit erklärt hätte? Da war Lippstadt nicht auf dem Platz. Schikowski bedankte sich praktisch mühelos mit dem 3:0 (46.), Andreas vergab völlig freistehend das 4:0 (49.) und Schikowski traf aus 17 Metern die Latte (50.). Das längst überfällige 4:0 fiel dann in der 52. Minute, als Schikowski in aller Seelenruhe durch den Lippstädter Strafraum dribbelte und locker einschob. Dass die schwarz-roten Abwehrspieler nicht begleitend applaudierten, war wirklich alles. Die erste Viertelstunde nach Wiederanpfiff?–?aus Sicht der SVer einfach unfassbar. Längst hätten sie zweistellig zurückliegen können.

Nachdem der völlig alleingelassene Jannik Erlmann gegen den völlig freien Schikowski das 0:5 noch verhindern konnte, zielte der eingewechselte Ercan in der 77. Minute genauer und stellte mit einem Flachschuss den Endstand her.

Somit endete eine überaus erfolgreiche Saison für den SV Lippstadt mit einem bitteren Nachmittag. Von Trainer Daniel Berlinski, der den Verein ebenso wie neun Spieler verlässt, gab es eine entsprechende Ansage. Bedient waren auch die Fans. Als Lübbers und Co. zum Abklatschen am Zaun erschienen, waren viele in Schwarz-Rot schon weg. Bis sich einer dann doch aufraffte und etwas kleinlaut feststellte: „Danke, für die geile Saison!“ Es ist eben nicht immer der letzte Eindruck, der zählt.

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