Auftritte der Lippstädter im Bonner Strafraum, wie hier von Yannick Langesberg (2.v.l.) waren gestern Abend Mangelware. Vor allem in der zweiten Halbzeit lieferte der SV eine grausige Vorstellung ab und muss sich nach der 0:3-Niederlage weiterhin mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen. Fotos: Lütkehaus
Auftritte der Lippstädter im Bonner Strafraum, wie hier von Yannick Langesberg (2.v.l.) waren gestern Abend Mangelware. Vor allem in der zweiten Halbzeit lieferte der SV eine grausige Vorstellung ab und muss sich nach der 0:3-Niederlage weiterhin mit dem Thema Abstiegskampf beschäftigen. Fotos: Lütkehaus

SV Lippstadt verliert in Bonn völlig verdient 0:3

Es wäre ein Riesenschritt in Richtung Klassenerhalt gewesen, doch nach der 0:3-Niederlage im Nachholspiel beim Bonner SC muss sich der SV Lippstadt weiterhin mit dem leidigen Thema Abstiegskampf auseinandersetzen. Dass sich Nils Köhler bei diesem Spiel auch noch schwer verletzte und ins Krankenhaus gefahren werden musste, dürfte die Laune der Schwarz-Roten nicht unbedingt aufgehellt haben.

Regionalliga West

Bonner SC - SV Lippstadt 3:0 (0:0)

Lippstadt – „Jetzt erst recht. Für Nils“, verkündete SV-Keeper Balkenhoff in der Halbzeitpause. Da stand es noch 0:0. Doch letztlich blieb es bei der trotzigen Aussage, denn so ganz schienen sich die Lippstädter in diesem Spiel nie von dem Schockmoment in der 23. Minute erholt zu haben. Bereits kurz zuvor hatte der flinke Außenverteidiger mit verzerrtem Gesicht am Boden gelegen, dann jedoch weiterspielt. Kurz danach lag Köhler nach einem Foul wieder unten. Dieses Mal stand er aber nicht auf, sondern wurde erst an der Seitenlinie behandelt und schließlich per Trage zum Rettungswagen transportiert. „Es ist keine Fraktur, aber eine tiefe Fleischwunde am linken Sprunggelenk“, berichtete SV-Sportchef Dirk Brökelmann nach der Partie.

Auf dem Spielfeld hinterließ dieser Vorfall jedenfalls deutliche Spuren. Die Lippstädter, die eigentlich die bessere Startphase erwischt hatten und durch einen verunglückten Kopfball des Bonner Verteidigers Fillinger, der knapp über die Latte zischte, auch die erste Chance verzeichneten (9.), wirkten nach der Verletzung Köhlers verunsichert. Das wussten die Gastgeber für sich zu nutzen, die kurz vor der Halbzeitpause gleich zweimal gefährlich in Erscheinung traten: Erst setzte Mwarome seinen Schuss aus 16 Metern nur knapp neben den rechten Pfosten (35.), dann klärte SV-Keeper Balkenhoff bei einem Versuch von Perrey in größter Not (43.). Der SV trat nur noch durch eine Elfmeter-Forderung nach einem Foul an Andzouana im Strafraum in Erscheinung (15.).

Und auch nach dem Seitenwechsel blieben die Gastgeber am Drücker, die Trotzreaktion der Lippstädter dagegen aus. Demnach entsprach es dem Spielverlauf, dass der Bonner SC in der 51. Minute in Führung ging: Ein Pass durch die Nahtstelle der SV-Abwehr landete bei Stenzel, dessen wohl noch abgefälschter Schuss an Balkenhoff vorbei ins Tor flog. Wie beflügelt von diesem Treffer startete der abstiegsbedrohte Club aus der ehemaligen Bundeshauptstadt dann den Offensiv-Turbo und schnürte den viel zu harmlos agierenden SV Lippstadt in der eigenen Hälfte ein. Beste Chancen, zum Beispiel Brock aus 18 Metern (56.) oder Bors per Kopf vom Elfmeterpunkt (63.) ließen die Bonner jedoch liegen.

Bis zur 70. Minute. Da wurden die durch die Köhler-Auswechslung Defizite in der Lippstädter Hintermannschaft offenbar: Der eingewechselte Kaldewey konnte eine Flanke nicht verhindern, die in BSC-Goalgetter Bors ihre Zielperson fand. Letzterer brauchte nur noch einzuschieben: 2:0.

Es folgte die größte und fast auch einzige richtige Lippstädter Torchance an diesem Abend: Ausgerechnet der kurz zuvor eingewechselte Maiella kam nach einem Freistoß aus dem Halbfeld zum Kopfball, setzte diesen jedoch ans Quergebälk (72.). Es wäre der (unverdiente) Anschlusstreffer gewesen, doch stattdessen machten die Gastgeber in der letzten Minute den Deckel drauf. SV-Keeper Balkenhoff sah dabei nicht gut aus. Er ließ einen Einwurf im Sechzehner klatschen und bediente damit Stenzel, der zum 3:0 für den BSC abstaubte und das Spiel damit endgültig entschied.

Kurz darauf war Schluss und die Enttäuschung im Lippstädter Lager brach sich Bahn. Vor allem Trainer Daniel Berlinski fand ungewöhnlich deutliche Worte: „So wie wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, können wir in der Regionalliga auf keinen Fall bestehen. Ich habe hier nur eine Mannschaft gesehen, die im Abstiegskampf steckt. Es sagt viel aus, wenn man bei einem direkten Konkurrenten mit drei Toren Unterschied verliert.“

Stimmen zum Spiel:

Daniel Berlinski (SV Lippstadt): „Unser Spiel gegen den Ball war in der ersten Halbzeit nicht so gut. Da haben wir einfach keinen Druck aufgebaut. Dann wurde uns allerdings ein glasklarer Elfmeter verwehrt. Wer weiß, wie die Partie sonst gelaufen wäre. Letztlich waren wir aber einfach nicht aggressiv genug in den Zweikämpfen. In der zweiten Halbzeit war das einfach zu wenig. So wie wir da gespielt haben, können wir in der Regionalliga auf keinen Fall bestehen. Ich habe hier nur eine Mannschaft gesehen, die im Abstiegskampf steckt. Es sagt viel aus, wenn man bei einem direkten Konkurrenten mit drei Toren Unterschied verliert.“

Sven Köhler (SV Lippstadt): „Es ist schlimm, wenn der eigene Bruder so abtransportiert wird. In der Kabine habe ich dann auch noch erfahren, dass er ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Aber er hat uns dann auch im Spiel gefehlt. Wir hatten viel Platz auf der Außenbahn. Es hätte nicht sein müssen, dass wir hier mit 0:3 verlieren. Uns hat am Ende der Punch gefehlt.“

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