Anton Heinz (2.v.l.) war in der Offensive der auffälligste Lippstädter Akteur und hätte in der 51. Minute per Freistoß fast für die 1:0-Führung gesorgt. Doch sein Schuss klatschte an die Unterkante der Latte – und sprang dann aus dem Tor heraus. Was für ein Pech. Fotos: Lütkehaus
Anton Heinz (2.v.l.) war in der Offensive der auffälligste Lippstädter Akteur und hätte in der 51. Minute per Freistoß fast für die 1:0-Führung gesorgt. Doch sein Schuss klatschte an die Unterkante der Latte – und sprang dann aus dem Tor heraus. Was für ein Pech. Fotos: Lütkehaus

Remiskönige vom SV Lippstadt auch in der Kaiserstadt nicht entthront

Die Remiskönige der Regionalliga haben sich auch in der Kaiserstadt nicht entthronen lassen: Der SV Lippstadt und Alemannia Aachen trennten sich am Dienstagabend mit 0:0. Für die Schwarz-Roten war es das fünfte Unentschieden im siebten Spiel, vor allem jedoch ein leidenschaftlich erkämpfter Punkt beim Ex-Bundesligisten. Mit einer fabelhaften Defensivleistung hatten sie sich diesen aber auch redlich verdient.

Regionalliga West

Alemannia Aachen - SV Lippstadt 0:0

Lippstadt – Cheftrainer Felix Bechtold musste seine erste Elf nach den Platzverweisen von Hoffmeier und Sansar gegen Wiedenbrück zwangsläufig umstellen. So rückte Kai-Bastian Evers auf die Sechser-Position. In der Verteidigung kam Youngster Simon Schielke zu seinem Startelf-Debüt. Um es vorwegzunehmen: Der 19-Jährige machte seine Sache auf der linken Außenbahn richtig gut. Finn Heiserholt war für ihn auf die rechte Seite gewechselt.

Trotz der Umstellungen in der Defensive hielten die SVer dem bereits im Vorfeld erwarteten ersten Sturmlauf der Hausherren stand. Zwar zeugte ein Ecken-Verhältnis von 8:2 für Aachen in der ersten Hälfte von einem überlegenen Spiel der Kaiserstädter, doch blieben Torchancen Mangelware. Nach und nach kämpften sich die Schwarz-Roten ins Spiel und hatten durch einen Distanzschuss von Anton Heinz sogar die erste Möglichkeit (11.). Wenig später leitete der Angreifer nach feiner Ballannahme die nächste Gelegenheit ein, doch Kaiser ließ die Kugel absichtlich durch – in der Hoffnung, dass hinter ihm noch ein Teamkollege lauert, was allerdings nicht der Fall war (20.).

Auf der Gegenseite glänzte Aachen vor 2700 Zuschauern mit Ideenlosigkeit. Fast jeder Distanzschuss verfing sich in den flinken Beinen der Gästeakteure. Bis auf einen Versuch von Müller aus 19 Metern, der knapp einen Meter über die Latte flog, hatten die Alemannen nicht viel zu bieten (30.).

Mit einem Paukenschlag begann dagegen die zweite Hälfte: Wieder Heinz, auffälligster Akteur der Lippstädter, zirkelte einen Freistoß aus 20 Metern über die Mauer hinweg an die Unterkante der Latte. Von dort fand der Ball allerdings nicht den Weg ins Tor – zum Leidwesen der schon zum Jubeln aufgesprungenen SV-Bank (51.).

Es war die größte Chance des Spiels, auch wenn die Alemannen anschließend alles nach vorne warfen. Angespornt von 2700 Fans – die Atmosphäre im weiten Rund des Tivolis erinnerte fast wieder an gute alte Zeiten – besaß Hackenberg eine Riesenmöglichkeit. Der Abwehrhüne machte seinem Namen alle Ehre, als er die Kugel nach einer flachen Ecke mit der Hacke in Richtung SV-Tor bugsierte. Doch Hackenberg hatte seine Rechnung ohne den momentan prächtig aufgelegten Lippstädter Keeper Balkenhoff gemacht, der blitzschnell abtauchte und den Rückstand verhinderte (80.).

Und der Schlussmann der Schwarz-Roten war auch Sekunden später auf dem Posten, als er einen scharfen Drehschuss aus der Gefahrenzone beförderte (81.). Es war eine kritische Phase für die Lippstädter, die sich aber immer wieder mit Entlastungsangriffen zu helfen wussten. So hätten mit ein bisschen Glück auch weitere Schüsse von Offensiv-Ass Heinz ihren Weg ins Ziel finden können.

Überglücklich dürften sie beim Underdog aus Lippstadt dennoch über diesen hart erkämpften Punkt sein, mit dem aufgrund der angespannten Personallage nicht unbedingt zu rechnen war. So bekam sogar der A-Jugend-Spieler Justus Meier, der in der 90. Minute eingewechselt wurde, noch seine ersten Regionalliga-Minuten – und das gleich am legendären Tivoli. Nicht schlecht.

Einer jedoch haderte dennoch etwas mit dem Unentschieden: SV-Sportchef Dirk Brökelmann gab am Ende etwas zerknirscht zu: „Für uns war mehr drin.“ Das zeugt von Siegeswillen und Selbstbewusstsein.

++++ Die Trainerstimmen ++++

Stefan Vollmerhausen (Alemannia Aachen): „ Wir wollten heute unbedingt gewinnen und haben das in der Anfangsphase auch gut gemacht. Am Ende hat aber oft der letzte Pass gefehlt. Unsere Standards waren heute auch nicht von gewohnter Qualität. Das Remis ist gerecht, auch wenn wir kurz vor Schluss noch zwei gute Möglichkeiten hatten, das Tor zu machen.“ 

Felix Bechtold (SV Lippstadt): „Für uns waren die Voraussetzungen heute schwierig. Uns ist fast eine komplette Mannschaft ausgefallen. Aber das junge Team hat das hier richtig ruhig runtergespielt. Simon Schielke hat ein ordentliches Startelf-Debüt gefeiert. Obwohl wir so arg gebeutelt waren, wollten wir unseren Plan durchziehen und mutig angreifen. Unterm Strich war das ein verdienter Punkt, denn wir haben in der zweiten Halbzeit sehr gut verteidigt. Die Jungs sind fit und marschieren. Nun hoffe ich, dass wir die anstrengende Englische Woche am Samstag mit einem Sieg gegen Bonn abschließen können.“

Regionalliga West 

Alemannia Aachen - SV Lippstadt 0:0 

Alemannia Aachen: Mroß - Wallenborn, Heinze, Rüter, Batarilo-Cerdic, Müller, Fiedler (39. Rakk), Hackenberg, Blumberg (56. Boesen), Dahmani (70. Galle), Uchino 

SV Lippstadt: Balkenhoff - Steringer, Schubert, Heiserholt, Schielke (89. Schneider), Evers, Liehr, Henneke (79. Kyeremateng), Heinz, Pataki (59. Kalac/90. Meier), Kaiser 

Gelbe Karten: Müller (Aachen), Steringer (Lippstadt) 

Zuschauer: 2700

Schiedsrichter: Patrick Holz (Roxel)