Nur mit allergrößter Mühe, so wie hier Jan-Lukas Liehr (l.), konnten sich die Kicker des SV Lippstadt gestern Abend gegen den BVB im Zweikampf behaupten. Meistens liefen sie hinterher und verloren auch in dieser Höhe völlig verdient mit 0:4 (0:2). Fotos: Lütkehaus
Nur mit allergrößter Mühe, so wie hier Jan-Lukas Liehr (l.), konnten sich die Kicker des SV Lippstadt gestern Abend gegen den BVB im Zweikampf behaupten. Meistens liefen sie hinterher und verloren auch in dieser Höhe völlig verdient mit 0:4 (0:2). Fotos: Lütkehaus

0:4 – SV Lippstadt wird vom BVB regelrecht vorgeführt

Spätestens seit gestern Abend ist die U23 von Borussia Dortmund kein Lieblingsgegner mehr des SV Lippstadt. Bisher hatten die Schwarz-Roten alle Regionalliga-Spiele gegen die Bundesliga-Reserve gewonnen, doch beim 0:4 wurden sie regelrecht vorgeführt. Es war ein Klassenunterschied. Die Gastgeber besaßen nicht den Hauch einer Chance. Zu allem Überfluss sah Lucas Arenz nach einem bösen Foul noch Gelb/Rot.

Regionalliga West

SV Lippstadt - Borussia Dortmund U23 0:4 (0:2)

Au weia, SV Lippstadt. Seit 13 Spielen sind die Schützlinge von Trainer Felix Bechtold in der Regionalliga West sieglos und setzen sich langsam aber sicher auf den Abstiegsplätzen fest. Natürlich waren die Gastgeber gegen den BVB von vornherein krasser Außenseiter. Nur für den Fall, dass die Schwarz-Gelben einen extrem schlechten Tag erwischt und sich die Lippstädter gleichzeitig in absoluter Topform präsentiert hätten, wäre vielleicht etwas möglich gewesen. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Die Gäste aus der Ruhrgebiets-Metropole machten sofort klar, dass sie die Liebelt-Arena als neuer Tabellenführer verlassen wollten.

Von Beginn drückte Dortmund mächtig aufs Tempo, schnürte den SV in dessen Hälfte ein und ging durch einen Volleyschuss von Tigges bereits in der 4. Minute in Führung. Nach dem kurzfristigen Ausfall von Kevin Hoffmeier (Muskelzerrung) verteidigten die Platzherren praktisch mit einer Fünferkette (Schubert, Heiserholt, Steringer, Evers und Sansar), aber auch dieser massive Abwehrriegel war nicht in der Lage, den Ansturm des BVB zu bremsen.

„Wir hatten eigentlich einen guten Plan, aber wir sind einfach nicht in die Zweikämpfe gekommen“, analysierte Finn Heiserholt direkt nach dem erlösenden Abpfiff, „danach war es natürlich brutal schwer. Dortmund war bisher mit Abstand der beste Gegner, einfach überragend.“ Der Verteidiger weiter: „Trotzdem hätten wir uns besser verkaufen müssen. Zumindest hat in der zweiten Halbzeit der Kampf einigermaßen gestimmt.“

Der neue Tabellenführer trat auf, als würde in der Liebelt-Arena die Meisterschaft entschieden. Die bedauernswerten Lippstädter wurden regelrecht über den Platz gehetzt. Auch wenn es in Corona-Zeiten ein schlechter Vergleich sein mag – ihnen blieb keine Zeit zu atmen. Der BVB spielte mit dem SV Katz’ und Maus.

Dem frühen 1:0 durch Tigges folgte in der 33. Minute ein sehenswertes Freistoßtor durch Duman zum 2:0. Mit diesem Ergebnis waren die Gastgeber zur Pause sehr gut bedient. Der SV ließ sich nur einmal in der Nähe des gegnerischen Strafraums blicken, als Anton Heinz einen Eckball in Hüfthohe nach innen brachte.

Nach dem Wechsel stellte Bechtold um. Heiserholt rückte in der Abwehrkette nach rechts, Schubert dafür zurück nach innen, und Evers verteidigte davor. Doch die Lippstädter hatten sich kaum orientiert, da stand es schon 0:3 (49.). Nach einer Glanztat von SV-Torhüter Balkenhoff traf Tachie im zweiten Versuch aus kurzer Distanz. Fast wäre Heinz in der 61. Minute zumindest der Ehrentreffer gelungen, aber er zielte nicht genau genug.

So kam es, wie es kommen musste. Zunächst verpasste Tachie gleich zweimal das mögliche 0:4, das besorgte dann der eingewechselte Harlass (74.), nachdem er unmittelbar davor eine hundertprozentige Kopfballchance kläglich vergeben hatte. Vorangegangen war ein heftiges Foul von Lucas Arenz an Bakir, für das er die Ampelkarte sah. Der Mittelfeldspieler hatte gerade erst eine Gelbsperre abgesessen und verabschiedet sich nun in die nächste Zwangspause. Das passte aus Lippstädter Sicht zu diesem gebrauchten Abend.

Während die BVB-Akteure nach Spielende ein fröhliches „Spitzenreiter-Tänzchen“ auf dem Rasen der Liebelt-Arena aufführten, schlichen die SVer bedröppelt in die Kabinen. Felix Bechtold verschwand wortlos in seinem Trainerbüro und war (zunächst) nicht mehr zu sprechen.

Derweil diktierte Finn Heiserholt dem Berichterstatter fast schon trotzig in den Block: „Wir müssen jetzt endlich punkten. Am besten schon am Samstag in Gladbach und das dreifach.“