Lippstadt – Lange war die Stimmung im Keller, dem SV Lippstadt drohte beim Stand von 1:2 die dritte Niederlage in Serie, aber dann brachte ein Vierfachwechsel die Schwarz-Roten doch noch auf die Siegerstraße. In einer spektakulären Schlussphase drehten sie die Partie auf 5:3.
Oberliga Westfalen
SV Lippstadt - SpVgg Horsthausen 5:3 (1:1)
Diese Begegnung wird den 750 Zuschauern in der Liebelt-Arena vermutlich lange in Erinnerung bleiben. Über eine Stunde passierte auf dem Rasen herzlich wenig, doch dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse, nachdem Coach Bechtold mit seinem Vierfachwechsel ein glänzend goldenes Händchen bewiesen hatte.
Verrückt, bis zur 70. Minuten agierten die Gastgeber eher schwach. Der Aufsteiger aus Herne führte zu diesem Zeitpunkt verdient mit 2:1. Horsthausen überbrückte schnell das Mittelfeld, kam immer wieder über die Außenpositionen und deckte die Mängel in der Abwehrkette des SV schonungslos auf. Viele auf den Rängen befürchteten bereits, dass die Schwarz-Roten ihre dritte Pleite in Folge erleben würden. Doch dann brachte Bechold Bulut, S. Sadeghi, Keba sowie Afghanyar und entschied mit dieser „Eingebung“ das Spiel.
Zunächst erzielte Neugebauer mit einem Schuss des Willens das 2:2 (70.). Jetzt waren die Schwarz-Roten richtig on fire und schrieben eine dieser berühmten Geschichten, die es nur im Fußball gibt. Nach einem feinen Solo, großer Entschlossenheit und einem platzierten Schuss traf der eingewechselte U19-Stürmer Keba zum 3:2. Was für ein Jubel! Alle SVer auf der Bank rannten auf den Rasen, um den Torschützen zu herzen. Unmittelbar danach glänzte Keba noch mit einem Superpass auf Neugebauer, der im Strafraum fiel. Doch dazu später mehr.
Die Fans in der Liebelt-Arena wussten gar nicht mehr, wie ihnen geschah – dass aus einem Langweiler ohne Vorwarnung ein Wahnsinnsspiel wurde! Mit einem stürmenden Verteidiger Wulf, der nach einem fantastischen Solo aus der eigenen Hälfte auf 4:2 (81.) stellte. Spätestens jetzt war das Stadion ein Tollhaus, das das 3:4 (89.) durch Siala aus dem Gewühl heraus lediglich zur Kenntnis nahm. Denn zwei Minuten später galt wieder der Zwei-Tore-Abstand: Franke wurde im Strafraum gefoult, den fälligen Elfmeter verwandelte Kapitän Ufuk sicher zum 5:3-Endstand.
Apropos Elfer: Neugebauer wurde in der 93. Minute von Isensee im Sechzehner eindeutig regelwidrig gestoppt. Doch statt auf den Punkt zeigte Bundesliga-Schiedsrichter Exner dem Lippstädter Angreifer Gelb/Rot. Der wird dem SV nun im Auswärtsspiel in Sprockhövel schmerzhaft fehlen. Eine Szene, die Bechtold auf die Palme brachte. Der Chefcoach wurde daraufhin mit Gelb verwarnt.
Bleibt noch die Chronistenpflicht: In einer überschaubaren ersten Hälfte brachte Muja den SV Lippstadt nach klasse Vorarbeit von Kohl und Kaiser mit 1:0 (38.) in Führung. Ciccarelli besorgte mit einem Chipball über Torhüter Beermann hinweg das 1:1 (44.) für die SpVgg Horsthausen, die anschließend sogar durch einen Drehschuss von Yanik aus 18 Metern nicht unverdient das 1:2 (58.) markierte. In diesem Moment schienen die Felle der Gastgeber bei herrlichem Spätsommerwetter förmlich davonzuschwimmen.
„Viel Power und Moral“
Die Meinung von Sportdirektor Dirk Brökelmann (SV Lippstadt): „Der Vierfachwechsel nach 70 Minuten war der entscheidende Moment im Spiel. Was anschließend passiert ist, hat deutlich gezeigt, dass wir jeden Einzelnen brauchen. Wir haben das Spiel nach dem 1:2 gedreht – und das trotz der angespannten personellen Situation. Wir haben gesehen, wie viel Power und Moral in der Mannschaft steckt. Was den Platzverweis für Louis Neugebauer betrifft: Selbst sein Gegenspieler hat erklärt, dass es ein Foul war. Das sagt alles!“