SVL 08
Vereinsnews 5. August 2026

Beim SV Lippstadt ist ab sofort die Mannschaft der Boss

Cheftrainer Felix Bechtold (35) will in der Mannschaft des SV Lippstadt eine neue Führungskultur etablieren, frei nach dem Motto: Das Team ist der Boss! Die Verantwortung soll auf möglichst viele Schultern verteilt werden. ﹘ Foto: Frank Lütkehaus
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Felix Bechtold blickt in seine achte Saison als Trainer des SV Lippstadt und betont die Leidenschaft für den Verein sowie das eingespielte Team aus lokalen Spielern. Der Erfolg wird durch ein verstärktes Betreuerteam und die Ambitionen, um den Aufstieg mitzuspielen, weiter befeuert – auch wenn der Konkurrenzdruck dadurch steigt. Die Jungs haben einen guten Job gemacht, auch wenn es am Ende nicht zum Aufstieg gereicht hat.

Lippstadt – Felix Bechtold (35) geht in seine achte Saison als Cheftrainer des SV Lippstadt, ist seit gut 2500 Tagen ununterbrochen im Amt und hat in dieser langen Zeit 256 Pflichtspiele (Schnitt 1,3 Punkte) absolviert. Im Interview blickt der gebürtige Ingolstädter voraus.

Sie sind im achten Jahr Cheftrainer beim SV Lippstadt – wie große ist die Lust auf die neue Saison?

Unheimlich groß. Es ist ein tolles Gefühl, eine eingespielte Mannschaft zu haben – mit 14 Lippstädter Jungs. Das gilt auch für das Trainerteam.

Untypisch für den SV, die Mannschaft ist praktisch unverändert. Ein Vor- oder Nachteil?

Ganz klar, ein Vorteil! Die aktuelle Mannschaft hat ihren Zenit noch lange nicht erreicht. Es wird eine sehr interessante Saison.

17 von 18 Trainern betrachten den SV Lippstadt als Titelfavoriten. Wie groß ist der Druck?

Natürlich können wir nicht noch mal mit der Aussage kommen, dass wir uns stabilisieren müssen. Diese Phase ist vorbei. Die Jungs haben sich letzte Saison in eine sehr gute Position gebracht. Der SV Lippstadt hat außerdem in der Oberliga einen gewissen Namen. Klar, dass die Konkurrenz schnell mit den Fingern auf uns zeigt. Allerdings glaube ich nicht, dass sich die Liga verschlechtert hat. Ich denke, es wird höllisch schwer.

Jetzt mal Butter bei die Fische, ist der Regionalliga-Aufstieg das erklärte Saisonziel?

Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Wir haben eine sehr gute Mannschaft. Wenn wir noch mal die Chance haben sollten, um den Aufstieg mitzuspielen, dann werden wir nicht Nein sagen.

Warum haben Sie sich selbst eigentlich in der Trainerumfrage so vornehm zurückgehalten?

Ich finde es blöd, auf sich selbst zu tippen. Auch andere Mannschaften sind richtig gut unterwegs – dazu gehören Preußen Münster II oder der ASC Dortmund. Die eine oder andere Überraschung wird es ebenfalls geben, vielleicht durch Victoria Clarholz oder den 1. FC Gievenbeck.

Mal ehrlich, entdecken Sie nach so langer Zeit noch irgendwas Neues beim SV Lippstadt?

Nein. Ich arbeite hier mit viel Leidenschaft und bin mir nicht zu schade, die Eckfahnen für das Testspiel aufzustellen, einen Besen in die Hand zu nehmen oder die Kabinen zu putzen. Ich lebe diesen Verein, die familiäre Atmosphäre aber auch die Ambitionen, die wir haben. Es ist ein schönes Gefühl, hier fast alles zu kennen.

Aber es gab schon Veränderungen im Sommer?

Wir haben einen großen Schritt nach vorn gemacht, was das Drumherum und die Mannschaft betreffen. Man sieht es am Staff, mit den neuen Cotrainern Johann Gaubitz und Samuel Cati. Mit  Hevican Ramadan haben wir einen Physiotherapeuten, der immer da ist, außerdem mehr Manpower im Betreuerteam und mit Thilo Kaiser, einen Mannschaftsarzt im 24/7-Einsatz für die Mannschaft. Unter diesen Bedingungen lässt es sich richtig gut arbeiten. Alle machen es mit Herz und Leidenschaft. So ein Paket musst du erst mal finden, wo alle sagen: Die kommen alle hier aus der Stadt, haben Bock und verstehen sich auch gut.

Sorry, mal ein kleiner Bruch im Thema, welcher Moment in der vergangenen Saison hat Sie besonders geärgert?

(Überlegt kurz) Dass wir in der entscheidenden Phase der Saison unsere Chance nicht genutzt haben.

Worüber haben Sie sich am meisten gefreut?

Wir haben unter dem Strich eine sehr gute Saison gespielt, die 70-Punkte-Marke geknackt und die zweitbeste Defensive gestellt. Die Jungs haben einen guten Job gemacht, auch wenn es am Ende nicht zum Aufstieg gereicht hat.

Es geht darum, Vorbild zu sein und Leistung zu bringen.Felix Bechtold

Kommen wir zum aktuellen Kader, welche Gesichter prägen das Team künftig?

Vorab: Führung wird nicht gewählt, sondern jeden Tag vorgelebt. Fatih Ufuk und Gerrit Kaiser bleiben das Führungsduo. Aber für mich steht der Fußball im Mittelpunkt. Erfolg funktioniert nur gemeinschaftlich. Eine Kapitänsbinde entscheidet nicht, ob ich auf dem Platz stehe, Leistung bringe oder sonst was. Wir brauchen mehr Führungspersönlichkeiten – und diese Führungskultur wollen wir in den Kader reinbringen. Was soll es jemanden im Juli zu wählen – und plötzlich ist der nicht mehr da oder bringt seine Leistung nicht. Ich möchte künftig anders denken. Es macht keinen Sinn, Führungsspieler zu benennen, die letztendlich nicht das Kommando auf dem Platz übernehmen.

Es ist meiner Meinung nach altmodisch so zu denken: Das ist jetzt der Kapitän – und der muss alles machen. In der modernen Führungswelt zählt das nicht. Das ist ein dynamischer Prozess: Jeder hat die Chance, Führung in der Mannschaft zu übernehmen. Genau das ist entscheidende Kriterium für langfristigen Erfolg. Das hat uns in der letzten Saison ein Stück weit gefehlt. Ich dieser Hinsicht müssen wir uns verbessern. Unser Fokus sollte auf der sportlichen Entwicklung liegen, zu der vor allem harte Arbeit im Training gehört. Wir wollen unseren Fans mit Einsatz, Leidenschaft und guten Leistungen etwas zurückgeben.

Ihr Vertrag endet 2027. Wann wird er verlängert?

Wir befinden uns in sehr guten Gesprächen und sind uns in vielen Dingen einig. Ich sehe mich hier noch lange nicht am Ende des Weges.

Das sportliche Abschneiden ist nicht entscheidend?

Wir werden eine gute Rolle spielen – auch in Zukunft. Diesbezüglich mache ich mir keine Sorgen.

Was muss besser werden, dass es zum Aufstieg reicht?

Aufstiegsprämie im Vertrag? Da müsste ich mal nachschauen.Felix Bechtold

Wie schon gesagt – die Führung auf dem Platz. Wir brauchen einfach mehr Jungs mit hundertprozentiger Verantwortung. Diesen Rückhalt möchte ich ihnen geben. Diesen entscheidenden Schritt müssen wir jetzt gehen. Ich muss der Mannschaft nicht mehr erzählen, wie Fußball funktioniert. Es geht einzig und allein darum, das Team besser zu machen. Wenn die Mannschaft zum Saisonende wieder die Chance zum Aufstieg hat, sollte sie aus der gemeinsamen Erfahrung ihre Lehren gezogen haben.

Der eine oder andere könnte an dieser Stelle Kritik an Ufuk oder Kaiser herauslesen?

Nein, absolut nicht! Keine Kritik an den beiden. Noch mal: Es geht darum, Vorbild zu sein. Leistung zu bringen. Verantwortung und Kommunikation zu übernehmen – gerade in schwierigen Phasen. Wie reagiere ich, wenn ich ein Gegentor bekomme oder in Unterzahl spiele? Negative Erlebnisse habe. Werde ich da nervös, drehe durch oder bleibe ich ruhig? Solche Typen bringen uns weiter. Diesbezüglich sehe ich sehr viel Potenzial in der Mannschaft. Es bringt nichts, zu sagen, wir schieben die Verantwortung nur auf Kaiser, nur auf Ufuk oder nur auf Köhler. Wir brauchen so viele wie möglich.

Wer soll die Tore schießen? Daran hat es zuletzt ab und zu gehapert.

Wir müssen das im Kollektiv auffangen. In der Vorbereitung haben wir sehr viele Tore geschossen. In der Oberliga Westfalen war der Dortmunder Maximilian Podehl über Jahre hinweg quasi der Harry Kane. So einen haben wir nicht in unseren Reihen. Dafür haben wir viele Jungs, die 13 bis 18 Scorerpunkte im Tank haben. Die WM hat es doch gezeigt: Mbappe und Messi waren zwar vorne, aber mit Spanien ist das beste Kollektiv Weltmeister geworden.

Welche Rolle spielen die beiden externen Neuzugänge von Arminia Bielefeld?

Bellal Afghanyar spielt sein erstes Jahr bei den Senioren und hat in der Vorbereitung überzeugt. Von Yoost Diezemann erwarte ich keine Wunderdinge, aber er kann auf Sicht sicherlich eine Führungsrolle übernehmen. Beide bekommen aber keinen Druck.

Vielleicht mal ein bisschen „Wünsch dir was“, welchen früheren Spieler hätten Sie gern zurück?

Eine fiese Frage. Ich brenne für das Hier und Jetzt. Ich habe viele supertolle Spieler beim SV Lippstadt trainieren dürfen. Aber ich brauche keinen zurück. Ich arbeite mit den aktuellen Jungs. Für jeden Einzelnen habe ich mich ins Zeug gelegt und gefühlt das letzte Hemd gegeben, dass die hier unterschreiben.

Steht eigentlich eine Aufstiegsprämie in ihrem Vertrag?

Da müsste ich mal nachschauen (lacht). Mir würde ein Essen im Marathon mit Präsident Thilo Altmann reichen. Dann wäre ich zufrieden. Hauptsache, wir steigen auf!

Gehen wir mal davon aus, dass Sie ihren Vertrag verlängern. Welche Aufgabe würde Sie darüber hinaus in Zukunft mal reizen?

Ich bin zu hundert Prozent bei der Sache beim SV Lippstadt. Punkt. Aus.

Entweder – oder?

Nationalelf oder Bundesliga?

SV Lippstadt oder Bayern München?

Lippstadt oder Ingolstadt?

Torjäger oder Abwehrfels?

Weißbier oder Pils?

Pizza oder Burger?

Berge oder Meer?

Kino oder Konzert?

Dart oder Boule?

Klopp oder Flick?

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